Das Backhaus in Rinkerode
Das Backhaus in Rinkerode

Quelle: Broschüre des Backhauses, erstellt durch den Heimatverein Rinkerode e. V., datiert vom 09. Juni 1989

Der Heimatverein Rinkerode hat dafür Sorge getragen, daß ein bäuerliches Backhaus wieder mit neuem Leben erfüllt wird und erhalten bleibt. In der Dorfmitte wurde dieses Kulturdenkmal wiedererrichtet.

Das Backs ist für Rinkerode ein sichtbarer Gewinn. Es ist ein Kleinod - altgedient mit einem langen und vollständigen Leben. Als man es auf dem Hof Koepe in der Bauerschaft Eickenbeck "entdeckte" und den Entschluß faßte, es nochmals seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß zu verwenden, war es bereits ein altes, müde gewordenes Backhaus, das Hektik und Lärm von sich fernhielt und ablehnende Verschlossenheit gegenüber oberflächlichen Besuchern zeigte.

Im Jahre 1987 erstand der Heimatverein Rinkerode das Haus vom damaligen Eigentümer. Für den neuen Standort wurde in unmittelbarer des Pfarrzentrums von der Krankenhausstiftung eine zentral gelegene Stelle zur Verfügung gestellt. Die ruhige Atmosphäre hier ist sogar ein ausgesprochenes Glück für die übereignete Kostbarkeit; denn das Backhaus ist eine Muhme - eine hochbetagte Bessmoder, die unbedingt Ruhe braucht, die Geschichten erzählen kann, wenn man sie erzählen läßt und versteht, ihr zuzuhören - von Gewesenem, Verschwundenem, von einer Welt und von Menschen, die nicht mehr sind, von einer versunkenen Zeit.

Auf dem jetzigen Hof Koepe wurde das Backhaus um 1870 errichtet. Es lag mehr als 30 Meter vom Wohnhaus entfernt in unmittelbarer Nähe eines Eichelhains. Seinerzeit war der Bischöfliche Hof in Münster Eigentümer des damals ca. 300 Morgen Land umfassenden Anwesens.

Das Erzbistum Köln und das Fürstbistum Münster wurden zu dieser Zeit in Personalunion regiert. Max-Franz, der jüngste Sohn der Kaiserin Maria-Theresia, war der damalige und zugleich letzte Fürstbischof von Münster; er starb 1801. Ohne die Vollziehung des Reichsdeputationshauptschlusses, der zur Durchführung des Friedens von Luneville (1801) erging, abzuwarten, rückte Blücher am 03. August 1802 in Münster ein und annektierte das Fürstbistum für den preußischen Staat.

Die Auswirkungen dieser Ereignisse erreichten sogar das Backhaus. Im Zuge der Säkularisation ging der vorgenannte Hof in das Eigentum des Freiherrn von Nagel-Ostenfelde über. Ein derartiger Besitzerwechsel änderte das Leben auf dem Hof wahrscheinlich nicht wesentlich. Die Menschen lebten weiterhin dort, verrichteten ihre Arbeit, backten Brot, Weggen und dörrten im Herbst geviertelte entkernte Äpfel und Birnen sowie Hauszwetschen für den Winter. Auf der Bank, die vor dem Backhaus stand, wurde auch damals sicherlich schon manche zarte Bande geknüpft, möglicherweise hat sogar der ein oder andere Bund fürs Leben hier seinen Anfang genommen. Das Backhaus weiß viel über Menschen zu erzählen, die einstmals hier weilten, denn es hat alles miterlebt, es war immer dabei.

Im Jahr 1806 besiegte und besetzte Napoleon Preußen. Überliefert ist, daß französische Soldaten 1810 auf dem Hof Quartier bezogen. Ein derartiges Ereignis bedeutete deshalb eine außergewöhnliche Belastung und Bürde, weil der betreffende Bauernhof die Einquartierten zu versorgen hatte. Auch der Backofen ist mit ziemlicher Sicherheit von den französischen Soldaten für die Herstellung ihrer Verpflegungsbrote benutzt worden.

Als der Rußlandfeldzug Napoleons im Winter 1812/13 scheiterte und die "große Armee" regellos zurückströmte, sich versorgte, requirierte, als zudem noch in Deutschland noch zu den Befreiungskriegen aufgerufen wurde, sah es auf dem Lande nicht mehr so gut aus. In den folgenden Jahren grassierten Hungersnöte, und die Tuberkulose nahm gefährliche Ausmaße an. Viele Menschen starben früh. Landwirtschaftliche Besitzungen sein eigen zu nennen, war kein reiner Spaß mehr. Baron Nagel verkaufte den Hof und damit auch das Backhaus an eine Familie Redecker. Bereits die nächste Generation dieser Familie war ohne Erben. Nun bekundete der Reichsfreiherr von Kerckerinck zur Borg Interesse an der landwirtschaftlichen Besitzung und erwarb sie auch.

Hof Koepe mit Backhaus (1953)
      Hof Koepe mit Backhaus (1953)
      Quelle: Hildegard Busse, Rinkerode

Im Jahr 1869 brach auf dem Hof Feuer aus, das beträchtlichen Schaden anrichtete, sogar das Wohnhaus brannte teilweise ab. Das Haus wurde wiedererrichtet. in Festtag war sicherlich der Tag der Fertigstellung, an dem vermutlich das Backhaus frische Weggen lieferte. Ansonsten lebten damals die Menschen auf dem Lande sehr bescheiden. Aus zeitgenössischen Berichten ist bekannt, daß zu dieser Zeit das Gesinde auf einem guten Bauernhof nur am Sonntagnachmittag eine Schnitte Mischbrot, die Woche hindurch nur Schwarzbrot (Pumpernickel) bekam. Weggen gab es nur an Festtagen. Zwieback aß nur die Wochenfrau. Die beginnende Feinbäckerei führte zum Weißbrot. Dies bezeichnete man als "Stuten". Pumpernickel hieß nach wie vor "Brot". Das Stutenbacken war Aufgabe der Frauen; das Backen von Pumpernickel entwickelte sich zur reinen Männersache. Da das Durchkneten der Teigmasse in dem drei bis vier Meter langen Backtrog mit den Händen viel zu anstrengend war, wurde der teig mit bloßen Füßen getreten. Dat Inböten (Einheizen des Backofens) nahm meistens ein und dieselbe Person vor. Drei Stunden vor dem Backen wurde das Feuer im Ofen entzündet. Der Backofen muß so lange geheizt werden, bin er inwendig ganz weiß ist, nirgendwo darf sich ein schwarzer Punkt zeigen. Nach dem Erlöschen des Feuers werden die noch vorhandenen Glut und Asche aus dem Ofen gekehrt. In damaliger Zeit war die Asche besonders wertvoll. Sie wurde gesiebt und gekocht. So entstand eine fett aussehende Lauge, die gut reinigte. Man verwendete sie zum Scheuern und Waschen der Wäsche. Bökenholt (Buchenholz) hinterläßt die beste Asche.

Aber zurück zum Backhaus und seinem Schicksal. Majoratsherr auf Haus Borg war inzwischen der am 03. Oktober 1872 geborene Engelbert-Friedrich-Hubert-Maria von Kerckerinck. Seiner Meinung nach wies das von seinem Vater übernommene Erbe einen kleinen Schönheitsfehler auf. Innerhalb des Kerckerinckschen Besitzes lag westlich des Wasserschlosses am Rande der Davert der nicht zu Haus Borg gehörende Hof Rohrkämper. Baron Engelbert meinte, daß sich dieses landwirtschaftliche Anwesen gut in den Borgschen Grundbesitz einfügen würde. Daher schlug er dem Bauern Rohrkämper vor, seinen Hof in der Davert - Bauerschaft Hemmer - gegen den zu Haus Borg gehörenden früheren Redecker-Hof in der Nähe der Hammer Straße - Bauerschaft Eickenbeck - auszutauschen. Da dieses Geschäft im beiderseitigen Interesse lag, kam der Eigentumstausch zustande. Aus dem Rohrkämperhof am Rande des Davertwaldes wurde die Kerckerincksche Försterei. Diese war das Zuhause der Borgschen Förster Altmeppen und Vogel. Das sich vom Forsthaus aus erstreckende Land heißt noch heute "Rohrkamp" und erinnert an den früheren Eigentümer.

Der Bauer Heinrich Rohrkämper zog auf sein neues Anwesen - den früheren Redecker-Hof. Das Backhaus bekam auf diese Weise wiedermal einen neuen Eigentümer und sah neue Menschen; nur seine Funktion änderte sich nicht. Nach wie vor backte man im Ofen Brot und Knabbeln, dörrte im Herbst Obst, und wenn das Backhaus für diese Zwecke nicht gebraucht wurde, verrichtete man darin Schreinerarbeiten, flocht Weidenkörbe und stellte Reisigbesen her.

Im Jahre 1910 brach auf dem Hof Rohrkämper ein Großfeuer aus. Das Wohnhaus brannte total nieder. Viel Leid mußte das Backhaus mit ansehen, viel Freide hat es miterlebt. Wir erwähnten bereits, daß es bei allem dabei war. So auch bei der mühevollen Wiederherrichtung des Hofes, beim Wiederaufbau des Wohnhauses und beim vorzeitigen Tod seines Besitzers, des Bauern Heinrich Rohrkämper.

Die hinterbliebene Ehefrau Katharine Rohrkämper, geborene Kroos, ging im Jahr 1916 dann eine weitere Ehe ein. Ihr zweiter Ehemann war Heinrich Schlattmann aus Ochtrup. Katharina Schlattmann wurde nach ihrem Tod von ihrer Tochter Elisabeth beerbt. Diese heitatete im Jahr 1934 den Landwirt Heinrich Koepe.

Das Backhaus in Rinkerode
Das Backhaus auf dem Hof Koepe in Rinkerode
Quelle: Familie Zobel, Rinkerode

Lange hatte das Backhaus auf dem Hof eine echte Funktion und Aufgabe; es war einfach nicht wegzudenken. Im letzten Krieg arbeitete eine Russin auf dem Anwesen. Einige Jahre backte sie in dem Ofen das Brot so, wie es in Russland Brauch und Tradition war.

Ein Unglück ereilte das Backhaus im Jahre 1945 - wahrscheinlich infolge einer unterlaufenen Unachtsamkeit. Beim Auskehren der Asche blieb vermutlich ein Glutherd zurück. Nachdem die mit Obst belegten Holzhürden in den Ofen geschoben waren, entzündeten sie sich, und es entstand ein Kaminbrand. Als dann noch ein entzündeter Stützbalken einknickte, war der Ofen nicht mehr benutzbar. Über 40 Jahre diente das Backhaus lediglich als Werkstatt.

In diesem glanzlos gebliebenen Leben des Backs gab es dann im Jahr 1987 den erfreulichen Wendepunkt. Der 1987 amtierende Ortsvorsteher Franz Jostes erwarb das Haus, um es dem Heimatverein zu überlassen.

Die Grundsteinlegung zur Neuerrichtung des Backs beim Pfarrzentrum fand am 05. Mai 1988 statt. An der Wiederherstellung beteiligten sich spontan viele Rinkeroder Handwerker, Firmen und Unternehmen.

Der Wiederaufbau war möglich, weil darüber hinaus zahlreiche Mitglieder des Heimatvereins durch unentgeltlichen Arbeitseinsatz mitgeholfen haben. Unter Bauleitung von Bernhard Schönhoff haben im besonderen


Paul Petrick
Willi Merschmeier
Heinz Bohnenkamp
Manfred Albers
Theo Walbaum
Ewald Schleuter

ihr fachliches Können unter Beweis gestellt.


Nun noch die Maße des Backhauses - allen Zahlenfreunden ins Notizbuch:


Backhauslänge 7,56 m
Backhausbreite (ohne Toilette) 4,36 m
Backhausbreite (mit Toilette) 5,41 m
Backhaushöhe 4,10 m

Die Größe des Backofens beträgt 2,45 * 2,39 m.

Die verwendeten Ziegel sind dem Haus adäquat und zu ihm hingehörig. Sie stammen von einer alten Scheine auf dem Hof Rehbaum. Das Dach wurde im früheren Modus unter Verwendung von Strohdocken von Pavel Macanek gedeckt.

Das Backhaus soll seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß genutzt werden. Es dient zunächst dem Backen von Brot (Pumpernickel), Weggen, Stuten, Kuchen und zum Dörren von Obst. Es eignet sich aber auch für Besprechungen und Feiern im engsten Kreise sowie zu Ausstellungszwecken.So wird das alte Backs weiterhin Segen spenden - genauso wie früher.

Dem Vorstand des Heimatvereins gehörten im Jahr 1989 an:


Geschäftsführender Vorstand: Heinrich Schwake 1. Vorsitzender
Otti Horstkötter
Hans Rikus
Albert Rengshausen
Alfons Kleyboldt
 
Beisitzer: Renate Heitmann
Käthe Merten
Marianne Schulze-Füchtling
Helene Westermann
Marlies Wohlers
 
Franz-Josef Brautlecht
Franz Bruns
Heinrich Buxtrup
Hermann Himmelmann
Heinz Lembeck
Theodor Schemmelmann
Bernhard Schönhoff
Horst Theiner


Aktuelle Ansichten des Backhauses:

Süd-Ost-Ansicht
Süd-Ost-Ansicht mit Blick zur Katholischen Kirche
Nord-Ansicht
West-Ansicht
West-Ansicht
Süd-Ost-Ansicht
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