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Historischer Ortsrundgang

Einleitung

Wappen der Herren von Rinkerode

Der "Arbeitskreis Ortsgeschichte" des Heimatvereins Rinkerode hat im Jahr 2011 den "Historischen Ortsrundgang Rinkerode" fertiggestellt. Diesem Arbeitskreis gehörten an:

  • Renate Heitmann

  • Käte Merten

  • Dr. Ralf Klötzer

  • Hans Rikus

  • Reinhard Schütte

  • Ulrich Morick

Durchgängiges "Markenzeichen" des historischen Ortsrundgangs Rinkerode ist das abgebildete Wappen der Herren von Rinkerode.

 

Der historische Ortsrundgang Rinkerode wurde am 11. September 2011 eröffnet. An den jeweiligen Stationen sind Infotafeln / Wegweiser aufgestellt. 

Eröffnung durch: Renate Heitmann, Vorsitzende des Heimatvereins Rinkerode, Paul Berlage, Bürgermeister
Infotafel mit Wegweiser

Historischer Ortsrundgang Rinkerode: Start

Zwischen Davert und Werse, zwischen Wald und Fluss, entstanden Sagen und Legenden, die man in der schnell sich verändernden Gegenwart wieder gern erzählt und gern hört. Den Charme von Rinkerode zu vermitteln ist ein Anliegen des historischen Ortsrundganges. Folgen Sie dem Wappen der Herren von Rinkerode – der vornehmen Gürtelschnalle auf schwarz-gold geteiltem Schild.

 

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte im Heimatverein Rinkerode e.V. hat 21 Tafeln entworfen und gestaltet, die im Ort und außerhalb des Ortes erwandert werden wollen, per Pedes oder Pedalen. Einheimische, Zugezogene und Gäste werden Rinkerode vertieft und in ungeahnten Facetten kennenlernen – versprochen!

 

Manches aus früheren Tagen ist noch erhalten und sichtbar, anderes ist verschwunden und nur noch aus verwehten Spuren zu rekonstruieren. Wer kennt noch den Bahnhof, wer noch die Molkerei? Beide wurden abgebrochen, weil man sie nicht mehr brauchte. Andere Bauwerke wurden saniert und können, wie die katholische Kirche St. Pankratius von 1724, auch in Zukunft bewundert werden.

 

Doch der historische Ortsrundgang Rinkerode gewährt neben der Begegnung mit bedeutenden Sehenswürdigkeiten auch vielfachen Einblick in die Alltagsgeschichte der in Rinkerode lebenden Menschen, die diesen Ort gestaltet und geprägt haben. 

Historische Ortsmitte von Rinkerode Historische Ortsmitte von Rinkerode

 

Wappen der Herren von Rinkerode

Auf den nachfolgenden Seiten sind die verschiedenen Stationen des historischen Ortsrundgangs Rinkerode dokumentiert, der am 11. September 2011 eröffnet wurde. An den jeweiligen Stationen finden Sie jeweils die die betreffenden Informationstafeln einschl. entsprechender Hinweise zum Rundgang.

 

Folgen Sie dem Wappen! 

Es wird Ihnen den Weg weisen.

Historischer Ortsrundgang Rinkerode: Auf einen Blick

Rinkerode – das war im Frühmittelalter ein Siedlungsgebiet im südlichen Davertwald. Es wurde von zwei Haupthöfen aus gerodet und erschlossen, dem Bispinghof (heute Haus Bisping) sowie dem Pröbstinghof (heute Pfarrzentrum).

 

Die Davert ist heute noch das größte Laubwaldgebiet des Münsterlandes. Kennzeichnend für die urige Niederung sind ihre Sümpfe, kleinen Moore, Feuchtwiesen, Hecken und großen Eichenwälder. Sie hat in weiten Teilen einen parkartigen Charakter. Das 2228 ha große Naturschutzgebiet ist ein einzigartiger Bestandteil des europäischen Naturerbes NATURA 2000 und genießt als FFH ( Fauna, Flora, Habitat) und Vogel-Schutzgebiet besonderen Schutz. Die Lebensraumtypen der Eichenwälder in der Davert gehören zu den bedeutenden Vorkommen in Deutschland.

 

Der mächtigste Bewohner von Rinkerode war später der jeweilige Besitzer von Haus Borg, der um 1200 auch Herr von Drensteinfurt war. In wechselnder Namensform hieß Rinkerode zunächst Rinkerrode (um 1170), dann Rinkenrothe (1265), Rynckenroedde (1555), Rinckenrott (1637) und Rinkerodde (1651), um nur einige Beispiele zu nennen. Zur heutigen Schreibweise kam es im 19. Jahrhundert. Vor der Wortendung, die die Waldrodung ausdrückt, stand ursprünglich wohl ein männlicher Vorname Rinke (Rineke, Reineke).

 

Bis vor wenigen Jahrzehnten war Rinkerode selbständig und gehörte zum Amt Wolbeck im Kreis Münster. Seit 1975 ist Rinkerode mit inzwischen 3800 Einwohnern ein Ortsteil von Drensteinfurt, Kreis Warendorf. Mit seinen Bauerschaften Hemmer, Altendorf und Eickenbeck hat Rinkerode den früheren ländlichen Charakter bewahrt.

 

Aufgrund guter Verkehrsanbindung durch Bahn und Straßen sowie der Nähe zu Münster (12 km) ist Rinkerode wachsender Wohnort mit vielfältigem Gewerbe. Im Ortskern hat sich das alte Dorfbild in einigen Bauten erhalten und wurde zugleich mit Maß weiter entwickelt. 

Historischer Ortsrundgang: Zeittafel

 In der nachstehenden Tabelle werden die wesentlichen historischen Ereignisse zur Entwicklung von Rinkerode dargestellt. 

 

JahrEreignis
900Beginn der Besiedlung im südlichen Davertwald vor 900, ausgehend vom Bispinghof (heute Haus Bisping) und vom Pröbstinghof (heute Pfarrzentrum)
1170Erstnennung des Ortes Rinkerode („Rinkerrode“) um 1170, gelegen bis 1802 im Fürstbistum Münster, Amt Wolbeck
1200Gerwin von Rinkerode hat Haus Borg und Haus Steinfurt in Besitz
1250Ersterwähnung der Pfarrei Rinkerode
1364Ersterwähnung von Haus Bisping
1589Spanische Truppen sind wiederholt in Rinkerode (erneut 1624)
1606Geburt Christoph Bernhard von Galen auf Haus Bisping (Fürstbischof 1650–1678)
1628Stiftung des Armenhauses in Rinkerode (Neubau 1824)
1670Einrichtung der Schule auf dem Kirchplatz um 1670
1719Bau des Neuen Herrenhauses von Haus Borg (Gottfried Laurenz Pictorius)
1721Baubeginn der neuen Pfarrkirche St. Pankratius, vollendet 1724
1810Erbauung der Galenschen Mühle (heute Mühlenmuseum)
1816Im Königreich Preußen gehört Rinkerode zum Kreis Münster
1824Neubau des Armenhauses (abgebaut 1966, heute LWL-Freilichtmuseum Detmold)
1848Eröffnung der Bahnlinie Münster–Hamm
1870Die Galensche Mühle geht an Familie Wünnemann über (heute Mühlenmuseum)
1877Errichtung der neuen Knabenschule (heute Jugendheim)
1887Auf Rinkeroder Gebiet werden 40 Strontianitgruben betrieben
1896Einrichtung eines Krankenhauses (bis 1975) im ehemaligen Pröbstinghof
1901Gründung der Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Rinkerode
1908Errichtung der Molkerei (bis 1969, abgebrochen 1978)
1915Inbetriebnahme der Davertbahn (Schmalspurbahn Rinkerode-Ascheberg, bis 1925)
1925Errichtung Haus Weitkamp 1 (heute Sparkasse)
1946Erste evangelische Gottesdienste in Rinkerode (im Agnesstift)
1961Beginn des Ausbaus der Alten Dorfstraße (bis 1963)
1968Einweihung des evangelischen Gemeindezentrums Friedenskirche
1975Rinkerode wird Ortsteil von Drensteinfurt im neuen Kreis Warendorf
1980Einweihung des Pfarrzentrums im ehemaligen Pröbstinghof
1985Seit 1985 sechs Kreismedaillen „Unser Dorf soll schöner werden“, Gold und Silber, 1997 Landesmedaille Silber
1987Gestaltung des Dorfplatzes
1989Gestaltung der Parzelle Brinkskuhle
1993Errichtung des Pankratiusbrunnens von Ernst Schlüter
1995Eröffnung des Mühlen- und Gerätemuseums
1998Beginn der Neusetzung von 17 Grenzsteinen durch den Heimatverein (bis 2007)
2000Landesgoldmedaille „Unser Dorf soll schöner werden“

Historischer Ortsrundgang: Route

 Im nachstehenden Plan wird eine Übersicht der Stationen des historischen Ortsrundgangs von Rinkerode dargestellt. 

 Route 

 

Nr.Station
1Dorfplatz
2Häuser der Ortsmitte
3Kath. Kirche St. Panktratius
4Alte Vikarie
5Pfarrzentrum
6Agnesstift und Backhaus
7Wohnen am Pröbstinghof
Nr.Station
8Jugendheim
9Armenhaus
10Lohmann und "Bäuerliche"
11Bahnhof und Molkerei
12Ev. Friedenskirche
13Brinkskuhle
14Pankratiusbrunnen
Nr.Station
15Höfe Milte, Gudehege, Pankok
16Landwehren und Grenzsteine
17Mühlenmuseum
18Davertbahn
19Haus Bisping
20Haus Borg
21Haus Heidhorn

Historischer Ortsrundgang: 01 Dorfplatz

Im früher eng bebauten Dorfkern gab es keinen Dorfplatz. Durch den Abbruch von Gebäuden entstand ab 1970 eine Freifläche, die 1987 als Dorfplatz gestaltet wurde. 

 

Zwischen Mägdestiege und Weitkamp, nördlich der Alten Dorfstraße, konnte die Arbeitsgemeinschaft Rinkeroder Vereine, gefördert vom Ortsvorsteher, dem Apotheker Franz Jostes, den Dorfplatz in seinen zwei räumlichen Schwerpunkten entwickeln: "Mahnen" und "Miteinander sprechen". Es war nämlich gelungen, die Planung mehrstöckiger Wohnhäuser am Weitkamp zu verwerfen, obwohl die Gemeinde Rinkerode (bis 1974), dann die Stadt Drensteinfurt, von dem Vorbesitzer Arnold Westhoff mehrere Hausgrundstücke sowie den großen Garten an der Mägdestiege zum Zweck der Neubebauung erworben hatte. 

 

Im zurückliegenden Bereich des Dorfplatzes wurde das Ehrenmal zur Erinnerung an die Kriegstoten aufgestellt. Es hatte früher direkt an der Dorfstraße, dann auf dem Friedhof gestanden. Rückwärtig befindet sich ein Wort des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (Rede zum 08. Mai 1985): "Gerade deshalb müssen wir verstehen, dass es Versöhnung ohne Erinnerung nicht geben kann. 

 

 Im vorderen Bereich zieht eine Bronzeplastik "Zwiegespräch" des Bildhauers Jürgen Ebert aus Bocholt mit flachem Fließbrunnen den Blick an.

Mühlstein auf dem Dorfplatz in Rinkerode

 

Wenige Schritte weiter lädt eine Sitznische zum Verweilen an dem großen Mühlstein ein. Er stammt von der 1810 erbauten Galenschen, seit 1870 Wünnemannschen Mühle (heute Mühlenmuseum). Der Mühlstein, den zwischenzeitlich das Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster übernommen hatte, kam 1987 von dort nach Rinkerode zurück.

 

Den Dorfplatz überragt in jedem Sommer der Maibaum, ein Geschenk des Spielmannszuges an die Menschen im Dorf. Verschwunden ist an der Alten Dorfstraße das eingeschossige traufenständige Fachwerkhaus, in dem sich das Lebensmittelgeschäft Silkenbäumer befunden hatte.Gleichfalls eingeschossig sowie traufenständig war das Fachwerkhaus Weitkamp 3, nördlich anschließend an das Gebäude, das heute die Sparkassenfiliale beherbergt. Es war für Bedienstete des Pröbstinghofes errichtet worden. Das Haus konnte durch Schenkung an das Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster gerettet werden. Dort ist es als Dorfgasthaus und Kramladen wiedererrichtet. 

 

Ehrenmal auf dem Dorfplatz

Ehrenmal auf dem Dorfplatz

Bronzeplastik Zwiegespräch auf dem Dorfplatz

Bronzeplastik Zwiegespräch auf dem Dorfplatz

Mühlstein auf dem Dorfplatz

Mühlstein auf dem Dorfplatz

Luftbild Dorfplatz 2007, Quelle: Dr. Axel Sievers

Luftbild Dorfplatz 2007, Quelle: Dr. Axel Sievers

Historischer Ortsrundgang: 02 Häuser der Ortsmitte

Drei noch bestehende Häuser vor dem Zugang zum Kirchplatz hatten in früheren Zeiten wichtige Funktionen:

  • St. Pankratius-Kirchplatz 5

  • Weitkamp 1

  • Alte Dorfstraße 1


Droste, St. Pankratius-Kirchplatz 5

Südlich neben dem Zugang zum Kirchplatz befindet sich das Haus Droste (früher: Westhoff) mit verschieferter Fassade. Hier wurden seit 1811 oder schon früher eine Stellmacherei zur Anfertigung und Reparatur von Wagen und eine Schankwirtschaft betrieben. Im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst verkündete der Amtsdiener Bernhard Stückmann aus einem seitlichen Fenster im Obergeschoss bis in die 1960iger Jahre die jeweiligen Bekanntmachungen. Sie wurden später durch Aushang veröffentlicht.

 

In dem Haus befand sich von 1919 bis 1957 auch die Post mit Rentenauszahlung und örtlicher Fernsprechvermittlung, bis 1915 ein Krämerladen, seit 1920 auch eine Uhrmacherwerkstatt. 

Droste

Lackhoff, Weitkamp 1

Das vornehme neubarocke Backsteinhaus von 1925, in dem nach der Sanierung die Sparkasse Münsterland-Ost untergebracht ist, gehörte der Witwe Elisabeth Bolle, die den Schumacher Heinrich Augustin heiratete. Die Tochter Maria Lackhoff betrieb hier, zunächst mit ihrer Mutter, ein Textil- und Schreibwarengeschäft. Auch als verheiratete Frau wurde sie meist Mia Augustin genannt. Im Hinterhaus hatte der Vater seine Werkstatt. Dank des Erwerbs durch die damalige Sparkasse Ahlen konnte das Haus vor dem geplanten Abriss bewahrt werden und erhielt 1983 als Sparkassenfiliale seine neue Bestimmung. 

SparkasseSparkasse in Rinkerode, ehemals Lackhoff 

Dartmann, Alte Dorfstraße 1

Bauernhäuser wie das Haus Dartmann gab es früher nicht nur als Einzelhöfe, sondern auch in den eng bebauten Ortskernen. Das eingeschossige Backsteinhaus mit Werksteinsockel ist lang. Seine Traufenseite liegt an der Straße.

 

Hier schauten Hubert Dartmanns Arbeits- und Kutschpferde zu den Fenstern heraus und beobachteten, wer gegenüber bei Silkenbäumer einkaufte. Neben der Landwirtschaft betrieb Familie Dartmann auch eine Brennerei und eine Gastwirtschaft. Diese findet in dem heutigen Restaurant ihre Fortsetzung, das im ehemaligen Wirtschaftsteil des Anwesens eingerichtet wurde. 

 

Dartmann

Haus Dartmann

Silkenbaeumer

Kolonialwaren Hubert Silkenbäumer um 1965

Historischer Ortsrundgang: 03 Kath. Kirche St. Pankratius

 Die Kirche wurde 1721 bis 1724 an Stelle des Vorgängerbaus nach Plänen des fürstbischöflichen Baumeisters Gottfried Laurenz Pictorius errichtet. Dieser hatte zuvor 1719 in Rinkerode für Jobst Stephan von Kerckerinck auf Haus Borg das neue Herrenhaus gebaut.

 

Von Westen betritt man die Kirche durch den Turm. Seine Vorderfront aus hellem Baumberger Stein steht in Kontrast zu dem Ziegelrot der Gebäudewände. Das Obergeschoss löst sich aus dem vierkantigen Unterbau zum Achteck und endet in geschweifter Haube. Der einschiffige Wandpfeilersaal des Innern mündet in einen eingezogenen Chor mit flachbogiger, außen eckiger Apsis. Monumentale Blendnischen, durchbrochen von hellen Fenstern, und massige Wandvorlagen für die Gewölbegurte bewirken ein stimmiges Raumgefühl, zu dem die Steinfiguren der Apostel und Heiligen sowie die alten Bänke beitragen.

 

Beim Eintritt in die Kirche zieht der Hochaltar die Blicke auf sich. Dunkle Holztöne und goldenes und silbernes Rankenwerk bilden einen Rahmen für die Gemälde der Himmelfahrt Christi und der Mutter Gottes. Der Altar ist dem heiligen Josef und dem heiligen Pankratius gewidmet (Statuen links und rechts). Anders als die barocke Kanzel stammen die Chorstühle weitgehend aus dem 19. Jahrhundert, nur die untere Hälfte des rechten Chorstuhls ist barock. Neben der Sakristeitür hängt ein Altarbild von 1614 und über ihr ein barockes Tafelgemälde "Christus in der Kelter". Dieses Bild wurde von der Familie Westrem, die um 1690 bis 1758 Haus Göttendorf besaß, der Kirche geschenkt. Wertvollster Schatz ist der romanische Taufstein mit seinem feinen Traubenrankenfries. Bemerkenswert ist auch das gemalte Chronogramm über dem Triumpfbogen am Chor mit der Darstellung des Kirchenpatrons.

 

Vermutlich befand sich die erste Kapelle, eine Filiale von Albersloh, bei Haus Bisping. Mit Gründung der Pfarrei Rinkerode (1250 erstmals erwähnt) entstand eine neue Kirche an der jetzigen Stelle auf dem Lehngut des Dompropstes, dem auch die Besetzung der Pfarrstelle zustand. Aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt neben dem Taufstein ein im Kirchenschatz aufbewahrter Gießlöwe. 

Kirche_2

Chronogramm mit ältester St. Pankratius-Darstellung im Triumpfbogen am Chor 1724

Kirche

Innenansicht der kath. Pfarrkirche St. Pankratius

Kirchturm

Kirchturm der St. Pankratius-Kirche

Historischer Ortsrundgang: 04 Alte Vikarie

Das traufenständige Haus wurde 1883 bis 1885 von Vikar Heinrich Feldmann errichtet. In münsterländischem Stil kontrastieren die Natursteinfassungen der Fenster und Haustüren sowie die Sockelkante des Kellergeschosses mit den roten Ziegeln des eineinhalbgeschossigen Gebäudes. 

 

Domdechant Goswin von Ketteler hatte 1749 die Vikarie St. Apollinaris gegründet. Das Patronats- und Präsentationsrecht lag bei dem jeweiligen Besitzer von Haus Borg. Das Benefizium (Stelle des Geistlichen) war ausgestattet mit einem auf dem jetzigen Grundstück stehenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude, einem Garten an der Eickenbecker Straße (dort heute, 2011, der Kindergarten "Kleine Strolche"), mehreren landwirtschaftlich nutzbaren Grundstücken sowie später mit Kapitalien aus Vermächtnissen. Ein 1760 von Johann Melchior Pröbsting errichtetes Primissariat (Messstiftung) wurde 1865 mit der Vikarie vereinigt.

Alte-Vikarie Alte Vikarie in Rinkerode

 

Möglicherweise war die Vikarie zunächst nicht besetzt. Hierfür könnte der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) die Ursache gewesen sein. Erster bekannter Vikar in Rinkerode von 1775 bis 1814 war Christoph Bernhard Balke. Wie jeder auf dem Lande lebende Geistliche bestritt er seinen Unterhalt weitgehend aus eigener Landwirtschaft. Nach der Vereinigung mit der Schulze-Pröbstingschen Messstiftung war Vikar Feldmann in der Lage, das jetzige Haus zu errichten. 

 

Das Benefizium St. Apollinaris ist im 20. Jahrhundert aufgelöst worden. Heinrich Weckendorf, der letzte Vikar (1939 bis 1952) bewohnte noch das Gebäude. Nach anschließendem Umbau wurden im früheren Wirtschaftsteil die Pfarrbücherei und im Wohnteil eine Küster- und Organistenwohnung eingerichtet. 

Alte-Vikarie-Garten

Krankenhausschwestern im Garten hinter der Vikarie um 1950

 

Pfarrhaus

Pfarrhaus (Pastorat)

Das deutlich ältere Pfarrhaus (Pastorat) südlich neben der Kirche wurde nach 1725 im Stil eines münsterländischen Bauernhauses neu errichtet. Bei dem Durchbau im Jahr 1973/1974 wurde dort der ehemalige Wirtschaftsteil zu einer Zweitwohnung umgebaut.

Pankratiusstift

Pankratiusstift

Eine wechselvolle Geschichte hatte das Haus Kirchplatz 8 (abgebrochen 1985, heute Neubau). Hier stand zwei Jahrhunderte lang bis 1877 die Schule. Theodor Busch kaufte das Haus 1894 von der Gemeinde Rinkerode und überließ es wenig später der katholischen Kirchengemeinde. Diese stellte das Haus unter dem Namen Pankratiusstift (ehemals Inschrift über der Eingangstür) für Bedürftige zur Verfügung.

Historischer Ortsrundgang: 05 Pfarrzentrum

Das Pfarrzentrum steht auf geschichtsträchtigem Boden. Hier befand sich ab dem 12. Jahrhundert ein Hof des vom Dompropst geleiteten münsterischen Domkapitels, der Pröbstinghof. 

 

Von hier und vom Bispinghof aus, dem späteren Haus Bisping, wurde die Davert urbar gemacht. Rings um den Pröbstinghof entstand Rinkerode. 

 

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Inhaber des Pröbstinghofes dem Domkapitel in Münster abgabenpflichtig. Später wurde der Hof in Teilflächen verkauft. Die Gebäude mit umgebendem Grundstück von 0,75 Hektar erwarb 1896 die gleichnamige Nichte und Haushälterin des damaligen Pastors Kellerweßel, die sie der Kirchengemeinde zur Errichtung eines Krankenhauses stiftete. 

Pfarrzentrum1

Pfarrzentrum in Rinkerode

Im Krankenhaus übernahmen die Clemensschwestern aus Münster die Krankenpflege. Um langfristig sichere Grundlagen zu schaffen, wurde die Kellerweßelsche Stiftung mit der seit 1628 bestehenden Kerckerinck-Borgschen-Armenhausstiftung vereinigt zur "Von Kerckerinck-Borgschen Krankenhausstiftung zur Heiligen Familie". Am 24.Juli 1906 erteilte Kaiser Wilhelm II als König von Preußen hierzu die Genehmigung.

1975 musste das Krankenhaus, eine bis dahin selbstverständliche Institution des Dorfes mit dem segensreifen Wirken der Clemensschwestern, die zugleich die häusliche Krankenpflege versahen, geschlossen werden. Wegen seiner geringen Größe hätte das Krankenhaus damals keine weitere Landesförderung erhalten. Begleitet von Diskussionen in der Öffentlichkeit über Fortbestand und künftige Nutzung des Gebäudekomplexes beschlossen Kirchenvorstand und Kuratorium der Krankenhausstiftung den Umbau zum Pfarrzentrum und der Wirtschaftsgebäude zu Altenwohnungen. 

 

1979 konnten die sechs Altenwohnungen bezogen werden. 1980 wurde das Pfarrzentrum eingeweiht. Es umfasst einen Veranstaltungsraum, der bis zu 180 Personen aufnehmen kann, ein großes Kaminzimmer für 40 Personen, einen Meditationsraum in der ehemaligen Kapelle sowie darüber zwei Wohnungen und Besprechungsräume. 

 

Mitglieder der Pfarrgemeinde gestalteten in der Folgezeit den Umgebungsbereich vollständig um, wobei die durchgehende Wegeverbindung von der Albersloher Straße zum Kindergarten entstand. 

Krankenhaus-Luftbild

Luftbild ehemaliges Krankenhaus (um 1950)

Im Vordergrund: heutiges Pfarrzentrum; links: Agnesstift; hinten: Wirtschaftsgebäude; heute: Altenwohnungen

Pfarrzentrum3

Pfarrzentrum in Rinkerode

Pfarrzentrum4

 Pfarrzentrum in Rinkerode

Historischer Ortsrundgang: 06 Agnesstift und Backhaus

Agnesstift

Nahe beim Krankenhaus im vormaligen Pröbstinghof (heute Pfarrzentrum) entstand 1930 als Neubau das Waschhaus mit angeschlossener Leichenhalle. Das Obergeschoss dient seit 1932 auf Wunsch der Gemeindevertretung als Nähschule der Kirchengemeinde.

 

Das Gebäude wurde schon bald Agnesstift genannt. Ausgehend von der Paderborner Kongregation der Schwestern der christlichen Liebe, die Mädchen und junge Frauen ausbildete, gegründet von Pauline von Mallinckrodt (1817 bis 1881), war Ende des 19. Jahrhunderts eine Agnesbewegung entstanden. In der Nähstube fanden in der Zeit der NS-Diktatur ab 1933 auch kirchlicher Religionsunterricht und kirchliche weibliche Jugendarbeit statt.

Agnesstift

Agnesstift in Rinkerode

Bereits am 6. Mai 1945, zwei Tage vor der deutschen Kapitulation am Ende des zweiten Weltkrieges, eröffnete Bürgermeister Brockmann hier die erste Gemeindeausschuss-Sitzung. 1946 bis 1951 wurden hier die ersten evangelischen Gottesdienste gefeiert. Heute werden die oberen Räume von der Kirchengemeinde, die unteren von Heimatverein und Angelclub genutzt. 

 

Backhaus

Das Backhaus in Rinkerode

Backhaus

Östlich der katholischen Kirche St. Pankratius wurde 1988 bis 1989 auf einer bis dahin unbebauten Fläche das ehemalige Backhaus des Hofes Koepe (Bauerschaft Eickenbeck) neu errichtet. Dieses letzte freistehende Rinkeroder Backhaus aus dem 18. Jahrhundert war nicht mehr genutzt worden und begann zu verfallen. 

 

Durch Initiative des Heimatvereins Rinkerode e.V. ist es als ein Zeugnis früheren Bauens und Wirtschaftens in die Dorfmitte geholt und originalgetreu wieder aufgebaut worden. Kleinere Ergänzungen wurden an der Nordseite (Backofen) und Ostseite (Toiletten) angefügt. Es dient heute dem Heimatverein als Versammlungsraum und wird mit seinem Steinbackofen wieder zum Backen genutzt. Gegen ein kleines Entgelt steht es auch für private Veranstaltungen zur Verfügung.

 

Die Förderungen des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Bundesanstalt für Arbeit, die Spenden Rinkeroder Firmen und Mitbürger sowie der Arbeitseinsatz des Heimatvereins retteten das Backhaus für die Zukunft. 

Historischer Ortsrundgang: 07 Wohnen am Pröbstinghof

Nicht nur den Prankratiusbrunnen an der Alten Dorfstraße, auch die "Pröbsting-Stele" hinter dem ehemaligen Pröbstinghof (heute Pfarrzentrum) schuf der Rinkeroder Bildhauer Ernst Schlüter (1931 bis 1998).

 

Er verwirklichte damit eine Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Rinkeroder Vereine von 1996, deren Mitglieder ihn tatkräftig unterstützten. 

 

Drei miteinander verbundene Stelen erzählen die Geschichte des Pröbstinghofes (von lat. praepositus, Propst = Vorsteher), der älter ist als die Pfarrkirche, die auf seinem Grund errichtet wurde. 

 

Zunächst war der Pröbstinghof etwa 900 Jahre lang ein Wirtschaftshof des münsterschen Drompropstes - symbolisch dargestellt durch den hörigen Bauern. 

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Pröbsting-Stele am Pfarrzentrum in Rinkerode

 

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Pröbsting-Stele am Pfarrzentrum in Rinkerode

Es war dann, im 20. Jahrhundert (bis 1975) ein Krankenhaus und Ort der Geburtshilfe sowie der Altenpflege - dargestellt durch zwei pflegende Clemensschwestern (siehe links).

 

Er wurde schließlich als Pfarrzentrum und Stätte der Begegnung (seit 1980) ein Mittelpunkt des dörflichen Gemeinschaftslebens - dargestellt durch zwei Menschen im Gespräch. 

 

Paula Kellerweßel, Nichte und Haushälterin des gleichnamigen Pastors, hatte den ehemaligen Hof Schulze Pröbsting 1896 von dem Wirt August Schürmann genannt Lohmann gekauft und ihn der Kirchengemeinde zur Umwandlung in ein Krankenhaus übertragen. Zur Gründung des Krankenhauses im Jahr 1906 wurde die Kellerweßelsche Stiftung mit der Kerckerinck-Borgschen-Armenhausstiftung von 1628 vereinigt zur "Von Kerckerick-Borgschen Krankenhausstiftung zur Heiligen Familie". Den Pflegedienst übernahmen die Clemensschwestern aus Münster. Nach Schwester Stella, der bekanntesten hier tätigen Clemensschwestern, ist eine Straße des Ortskern benannt. 

 

Auf einem neu gebildeten Grundstück der Krankenhausstiftung sowie des Pfarrgartens konnte 2010 das Altenhilfeprojekt "Wohnen am Pröbstinghof" verwirklicht werden - dank der Zusammenarbeit der Stadt Drensteinfurt, Pfarrgemeinde St. Pankratius, Krankenhausstiftung und Alexianer-Brüdergemeinschaft, die Bau und Betrieb der Einrichtung übernahm.

 

Im südöstlichen Gebäude ist Platz für eine Wohngemeinschaft von zwölf pflegebedürftigen Menschen. Im nordwestlichen Gebäude befinden sich zehn Wohnungen des betreuten Wohnens. Die Errichtung eines weiteren Gebäudes ist vorgesehen. 

 

Wohnen

Wohnungen am Pröbstinghof (Pfarrzentrum)

 Wohnen-Lageplan 

Lageplan für das Wohnen am Pröbstinghof

Historischer Ortsrundgang: 08 Jugendheim

Erbaut wurde das Haus 1877 als neue Knabenschule, die vom Kirchplatz, von der Nordseite der katholischen Kirche, hierhin umzog. 

 

Die oberen Räume dienten als Lehrerwohnung. Sie wurden später vermietet. 

 

Um 1930 befanden sich hier zusätzlich eine Hauswirtschaftsschule für Mädchen und bis in die Kriegsjahre nach 1939 ein Treffpunkt katholischer Jugendgruppen. In der Zeit der NS-Diktatur (1933 bis 1945) trafen sich hier auch die Gruppen des Bundes deutscher Mädel (BDM) 

 

Auf dem Platz des jetzigen Feuerwehrgerätehauses stand ein Gebäude, in dem neben den Schultoiletten auch Verschläge für Kohlen und Kartoffeln vorhanden waren. Dahinter lag ein großer Garten. Er reichte bis zu einer Gräfte hinter den Gärten von Krankenhaus (heute Pfarrzentrum) und Pastorat. Links stand früher das "Spritzenhaus" mit Steigerturm. Im hinteren Teil dieses Gebäudes befand sich eine Arrestzelle, in der der Dorfpolizist bisweilen Ganoven einsperrte.

Kochschülerinnen am Jugendheim in Rinkerode um 1930

Kochschülerinnen am Jugendheim 
in Rinkerode um 1930

 

Während des zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) belegte die "Organisation Todt" (O.T.) den großen Raum im Untergeschoss der Schule. Sie ließ durch Kriegsgefangene zum Beispiel Gräben ausheben und Straßen bauen. Zwangsarbeiter aus Polen und Holland sowie zeitweise das Gemeindebüro waren hier untergebracht. 

 

 Nach 1945 wurde das Gebäude von der Jugend genutzt. Gruppenräume gab es ebenso wie die Möglichkeit für Theateraufführungen der Laienspielschar. Bis zum 25. April 1957 war hier auch die evangelische Schule untergebracht. Die Sonntagsgottesdienste der evangelischen Gemeinde fanden seit 1951 bis zur Einweihung der Friedenskirche (1968) im Jugendheim statt. Danach wurde es als Offener Treff der Jugendlichen genutzt und hierfür 1974/1975 umgebaut.  Nach erfolgter Sanierung wurde das Gebäude 2001 wieder in Betrieb genommen. Es bestehen ein Offener Treff als tägliche Anlaufstelle für Jugendliche, Räume für Spielgruppen sowie Gruppenräume. Alle Bereiche haben einen eigenen Eingang und können so parallel genutzt werden. Die Gruppenräume stehen auch den Vereinen und Verbänden zur Verfügung. Jugendheim in Rinkerode

Nach 1945 wurde das Gebäude von der Jugend genutzt. Gruppenräume gab es ebenso wie die Möglichkeit für Theateraufführungen der Laienspielschar. Bis zum 25. April 1957 war hier auch die evangelische Schule untergebracht. Die Sonntagsgottesdienste der evangelischen Gemeinde fanden seit 1951 bis zur Einweihung der Friedenskirche (1968) im Jugendheim statt. Danach wurde es als Offener Treff der Jugendlichen genutzt und hierfür 1974/1975 umgebaut.

 

Nach erfolgter Sanierung wurde das Gebäude 2001 wieder in Betrieb genommen. Es bestehen ein Offener Treff als tägliche Anlaufstelle für Jugendliche, Räume für Spielgruppen sowie Gruppenräume. Alle Bereiche haben einen eigenen Eingang und können so parallel genutzt werden. Die Gruppenräume stehen auch den Vereinen und Verbänden zur Verfügung. 

Historischer Ortsrundgang: 09 Armenhaus

In Münster entstanden Armenhäuser ab dem 14. Jahrhundert. Vergleichbare Stiftungen folgten später auf dem Land. Hermann und Richtmodt von Kerckerinck zur Borg stifteten in Rinkerode 1628 ein Haus mit Garten, genannt "Schlups Kotten auf dem Bleck", als Armenhaus. Aufsicht hatten die jeweiligen Besitzer von Haus Borg als Inspector sowie der Pfarrer von Rinkerode als Mit-Inspector zu führen. Drei bedürftige Frauen mit keinen Kindern belastet und aus diesem Kirspell (Kirchspiel) sollten das Haus bewohnen. 

 

Später wurden vier Frauen aufgenommen. Die Hausordnung schrieb regelmäßigen Kirchgang und Sakramentenempfang vor. Täglich hatten die Frauen für das Seelenheil ihrer Wohltäter fünf Vater unser und und Ave Maria kniend zu beten. 

 

Der Pfarrer traf die Vorauswahl der Bewohnerinnen. Nach der Aufnahme genossen sie lebenslanges Wohnrecht. Für jede Frau war eine Schlafkammer vorhanden. Als Wohnräume für alle gab es die Küche sowie die Stube. Zum unterhalt empfingen die Frauen jährlich an Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Weihnachten ihren Anteil aus den Zinsen des gestifteten Kapitals von 400 Reichstalern. Die Frauen mussten sich etwas hinzuverdienen. Meist spannen sie Flachs. Vier Tage jährlich arbeiteten sie für den Pfarrer als Entgelt für dessen Leitungsaufgabe. Seit 1837 erhielt er stattdessen eine Geldzahlung aus der Armenhauskasse. 

Armenhaus in Rinkerode um 1966 Armenhaus in Rinkerode um 1966

 

Armenhaus Rinkerode

Armenhaus Rinkerode

Bis um 1900 bewohnten arme Frauen den Neubau des Armenhauses von 1824. Das Wohnen im Armenhaus wurde schließlich wegen des Ansehensverlustes kaum noch erstrebt. So suchte sich die Armenfürsorge neue Wege direkter Unterstützung. 

 

Seit 1906 wurde das bisherige Armenhaus vermietet. Fuhrmann Polykarpus Hoemberg und seine Frau Maria waren die vermutlich ersten Mieter. 1957 erwarb der Kaufmann Wilhelm Gröne das Haus. Das westfälische Freilichtmuseum Detmold baute das Armenhaus 1966 ab und 2002 bis 2005 auf dem Gelände des Museums wieder auf. 

 

Um 1887 gab es in Rinkerode rund 40 Gruben, aus denen Strontianit gefördert wurde, das man in den Zuckerfabriken bei der Entzuckerung der Melasse verwendete. Aus dieser Zeit stammt das Haus Albersloher Straße 19, das Carl Wurm, der Geschäftsführer der Cölner-Strontianit-Actiengesellschaft, erbaute. Eine Strontianitfabrik bestand gegenüber vom Gasthof Lohmann auf der anderen Seite der Bahn. 

Historischer Ortsrundgang: 10 Lohmann und Bäuerliche

Als Jost Lohmann 1780 auf dem heutigen Grundstück des Hotels Lohmann seinen landwirtschaftlichen Betrieb einrichtete, gab es die Bahnlinie von Hamm nach Münster nicht. Den elterlichen Hof (heute Wiewer, Bauerschaft Altendorf) hatte Jost nicht übernehmen können.

 

Bald nach 1800 ging der Betrieb an Jodokus Heinrich Lohmann und seine Frau Anna Maria Gudehege über. Die Lage des Hofes am Ortseingang war für die von ihnen eröffnete Gastwirtschaft vorteilhaft. Günstig waren für das Haus auch der Bau der Bahnlinie sowie des Bahnhofs. Um 1935 bewirtschafteten Lohmanns auch im Bahnhof den Wartesaal erster und zweiter Klasse, der zu den Zugabfahrtzeiten öffnete. 

Gasthof Lohmann (links) und Maschinenhaus der Strontianitfabrik (rechts); Zeichnung um 1890 Gasthof Lohmann (links) und Maschinenhaus der Strontianitfabrik (rechts); Zeichnung um 1890

 

Bäuerliche und Lohmann um 1890

Bäuerliche und Lohmann um 1890

Seit Gründung der Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Rinkerode befand sich im Haus Lohmann bis etwa 1950 das Büro der "Bäuerlichen". Eine Zeit lang war Heinrich Lohmann hier Büroleiter. Vor dem Haus war die Waage der Genossenschaft, im Hof stand eine Viehwaage. Verkauftes Vieh wurde nach dem Wiegen am Bahnhof in Waggons verladen. 

 

Außer der Gastwirtschaft und einigen Zimmern bot Lohmann auch eine Pferdeversicherung an und handelte mit Kohlen. Bis etwa 1978 verfügte das Haus über den einzigen Saal in Rinkerode. Hier fanden Tanzveranstaltungen und Kinovorführungen, Theaterspiel und legendäre Reiterfeste statt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das in Münster ausgebombte Versorgungsamt in Lohmanns Saal untergebracht. 

 

Das Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde vielfach erneuert und erweitert. 

 

Es wird heute als "Land-gut-Hotel" betrieben und ist überregional beliebt. 

 

Inzwischen hat Bernadette Lohmann das Hotel mit Restaurant und Cafe von ihren Eltern Heinrich und Irene Schürmann, genannt Lohmann, in sechster Generation übernommen.

Lohmann in Rinkerode

Gasthof Lohmann (links) und Maschinenhaus der 
Strontianitfabrik (rechts); Zeichnung um 1890

 

Die genannte Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft Rinkerode war 1901 gegründet worden. In den frühen Jahren wurde sie von Theo Wöstmann (Vorstand) und Heinrich Rehbaum (Aufsichtsrat) geleitet.

 

Nach der Neugründung 1948 wuchs die "Bäuerliche" in erweiterte Geschäftsfelder hinein und präsentiert sich nach der Fusion mit Ascheberg und Ottmarsbocholt (1999) in Rinkerode auch mit dem Raiffeisenmarkt "Alles für Haus, Tier und Garten". 

 

Bäuerliche in Rinkerode um 1980Bäuerliche in Rinkerode um 1980

Bäuerliche in Rinkerode im Jahr 2015 

Bäuerliche in Rinkerode im Jahr 2015

Historischer Ortsrundgang: 11 Bahnhof und Molkerei

Rinkerodes Tor zur Welt war lange der Bahnhof an der 1848 eröffneten Bahnlinie.

 

Das Bahnhofsgebäude war um 1897 im Stil der Neu-Renaissance gebaut worden und steht nicht mehr. Die heutige Regionalbahnstation ist Schalt- und Kontrollstelle der vollautomatischen Streckensicherung. 

 

Das einst rege Treiben am Bahnhof mit gegenüber liegender Molkerei sowie Bäuerlicher Bezugs- und Absatzgenossenschaft Rinkerode gehört seit der Zunahme des Verkehrs auf den Straßen der Vergangenheit an. Vom Bahnhofsgebäude gelangte man durch eine Sperre nach Kontrolle der Bahnsteig- oder Fahrkarten zu den Bahnsteigen. Der Fahrkartenschalter war in der Eingangshalle, später in der Wartehalle. Im Obergeschoss wohnte der Bahnhofsvorsteher. Die Toiletten befanden sich in einem Nebengebäude nördlich des Bahnhofs. Güterabfertigung und Güterschuppen schlossen sich südlich an. Rinkerode war zudem für den Umschlag von Getreide, Dünger und Holz bedeutend. Es bestand auch ein Lager für das im Bergbau benötigte Grubenholz. Ein Großteil der 26 Beschäftigten war für Stellwerksaufgaben und für den Betrieb von elf Schrankenanlagen zuständig. 

 

Bahnhof mit Bediensteten um 1900 Bahnhof mit Bediensteten um 1900

Erster Fahrplan 1848

Erster Fahrplan 1848

Bahnhofsvorplatz in Rinkerode

Bahnhofsvorplatz in Rinkerode

 

Molkerei

Um 1900 entstanden zahlreiche Molkereien, die die Ballungsgebiete mit Milchprodukten belieferten. Johann Dietrich Voß, Bankdirektor aus Neumünster in Holstein, ließ 1908 als Kapitalanlage seiner Ehefrau Marie geb. Hugo die Molkerei Rinkerode bauen. Die Milch, von örtlichen Bauern angeliefert, wurde in einer Zentrifuge gereinigt und mit Dampf in einem Trommelmischer pasteurisiert. 

 

 In 40-Liter-Kannen wurde sie dann in Kühlwagen verladen und mit Personenzügen Richtung Ruhrgebiet verschickt. Die Kohle für den Dampfkessel kam per Bahn. 1912 übernahm Hugo Voß den Betrieb mit seinen fünf Mitarbeitern. Sein Sohn Joachim Voß war bis 1969 letzter Besitzer. Im zweiten Weltkrieg blieb die Molkerei funktionsfähig, da der Dampfkessel stromunabhängig betrieben wurde.

 

Die Molkerei Rinkerode stellte Trinkmilch, Butter, Sahne und Schnittkäse her. Ab 1960 wurde die Käseproduktion auf Grund von Einfuhren unrentabel und eingestellt. Spezialisierungen auf Trockenmilch und Kälbermilch folgten.

 

Zwischen 1950 und 2010 ging die Zahl der nordrhein-westfälischen Molkereien von etwa 350 auf 17 zurück. Die Gebäude wurden 1978, der Schornstein wurde wenige Jahre später abgebrochen. 

 

Das Käselager befand sich im Haus Göttendorfer Weg 27.

Ehemalige Molkerei in Rinkerode (um 1925)

Ehemalige Molkerei in Rinkerode 
(um 1925)

Historischer Ortsrundgang: 12 Ev. Gemeindezentrum Friedenskirche

Vor 1946 gab es in Rinkerode kein evangelisches Gemeindeleben. Die wenigen evangelischen Christen in Rinkerode gehörten zur Apostelkirchengemeinde in Münster.

 

Ab 1932 gab es Gottesdienste in der neu errichteten evangelischen Kirche in Hiltrup. Von 1954 bis 1958 bestand vorübergehend eine selbstständige Kirchengemeinde Hiltrup mit Amelsbüren, Rinkerode und Drensteinfurt. 1958 wurde die Kirchengemeinde Drensteinfurt, zu der auch Rinkerode gehört, mit der 1957 erbauten Martinskirche eigenständig. Seit 2009 kooperiert diese wieder mit der Kirchengemeinde Hiltrup in einem Synodalbereich. 

 

Nach dem zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) fanden in Rinkerode viele evangelische Flüchtlinge und Vertriebene eine neue Heimat. Am 17. November 1946 feierten sie den ersten evangelischen Gottesdienst in Rinkerode. 69 Gläubige drängten sich hierzu in der Nähstube des Agnesstifts. Von 1951 bis 1968 stand im Jugendheim ein Raum für den Gottesdienst zur Verfügung. Die evangelische Schule war von 1949 bis 1957 auch im Jugendheim untergebracht. 

 

Am 21. Mai 1965 erwarb das Presbyterium der Kirchengemeinde Drensteinfurt in Rinkerode das Baugrundsück für eine Kirche. Tatkräftig unterstützt durch den bereits 1963 gegründeten Kirchenbauverein konnte das Gemeindezentrum "Friedenskirche" am 27. Oktober 1968 eingeweiht werden, 22 Jahre nach dem ersten evangelischen Gottesdienst in Rinkerode. Der Bau der Kirche wurde von der gesamten Dorfbevölkerung mitgetragen, wodurch sich Ökumene entwickelte. 1984 konnte man das Obergeschoss ausbauen. Das Gemeindezentrum ist eine gut angenommene Stätte der Begegnung. 

 

1987 wurde die Glocke mit der Inschrift "Christus unser Frieden" gegossen. Der Ton "F" ist auf das Geläut der katholischen Kirche St. Pankratius abgestimmt. Der Festakt zur Einholung der Glocke durch Pfarrer Walter Gröne fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. 1996 erhielt die Glocke mit zwei weiteren Glocken ihren jetzigen Platz im neuen Turm. Bei allen Beerdigungen auf dem nahen Friedhof läuten die Glocken von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam.

Turm der Friedenskirche

Turm der Friedenskirche

 

 Friedenskirche in Rinkerode 

Friedenskirche in Rinkerode

 Einholung der Glocke 1987 

Einholung der Glocke 1987

Historischer Ortsrundgang: 13 Brinkskuhle

Brink ist ein altes Wort für eine nicht bebaute siedlungsnahe Fläche der Dorfgemeinde.

 

Auf dem Rinkeroder Lappenbrink wurden die neu gewebten Leinenbahnen ("Lappen") zum Bleichen ausgelegt. Aus der "Brinkskuhle", dem ehemaligen Teich an der Dorfstraße, konnte man Wasser zum Befeuchten der Leinentücher entnehmen.

 

Zwischen den Häusern Alte Dorfstraße 13 (Pöhling, dann Kämpfer) und 15 (Langhorst) blieb die Brinkskuhle lange Zeit erhalten. Sie war etwa zwölf Meter lang und acht Meter breit. An der Ostseite befand sich eine kleine Rampe aus Holzbohlen, die noch bis 1960 zum Wäschewaschen genutzt wurde. 

 

Daneben diente der von einem kleinen Bachlauf bewässerte Teich zum Tränken der Pferde und als Wasserspeicher zum Feuerlöschen im Brandfall. Hier trafen sich auch die Nachbarinnen und Nachbarn und hielten ein Schwätzchen. Die Quelle des Bächleins lag südwestlich.

 

Ein Graben leitete das Wasser ab. Im Zuge des Ausbaus der Alten Dorfstraße 1961 bis 1963, verbunden mit dem Bau von Trinkwasserleitung und Abwasserkanal sowie der Asphaltierung der Straße, wurden Brinkskuhle und Abzugsgraben zugeschüttet. Die Böschung befestigte man mit Beton. Eine Mauer wurde gebaut, zwischen den Mauerpfeilern wurden Drahtgitter eingefügt. 

 

Im Laufe der Jahre verkam die kleine Parzelle neben der Alten Dorfstraße. Das war 1989 Anlass für die Arbeitsgemeinschaft der Rinkeroder Vereine, sie neu zu gestalten. Die Umfassungsmauern wurden abgeräumt. Die Fläche wurde gepflastert und als Rastplatz gestaltet. Ralf Heimann, Rinkeroder Bildhauer, schuf die Skupltur aus italienischem Carrara-Marmor mit der Bezeichnung "L'INCONTRO" (Begegnung). Damit erinnert er daran, dass hier früher ein Treffpunkt der Nachbarinnen und Nachbarn war. 

Haus des Schumachers Langhorst (um 1930) Haus des Schumachers Langhorst (um 1930)

 

  Brinkskuhle in Rinkerode

Brinkskuhle in Rinkerode

Historischer Ortsrundgang: 14 Pankratiusbrunnen

Ernst Schlüters Pankratiusbrunnen entstand 1993 im Zusammenwirken mit der Arbeitsgemeinschaft der Rinkeroder Vereine auf Grundstücken von Pfarrgemeinde und Volksbank, die die Arbeitsgemeinschaft als Platz gestaltete. Von hier führt eine damals angelegte Wegeverbindung zum Pfarrzentrum.

 

Den zuvor am Fasanenweg weitgehend verfallenen Bildstock bezog man in die Umgebung des Platzes ein. Anders als bei den Stelen der Antike mit ihren meist flachen Reliefs hat Ernst Schlüter seine Figuren plastischer hervortreten lassen. Die zunächst in Beton gegossenen Reliefs hatte der Künstler bereits etwa zehn Jahre vor der Schaffung des Brunnens vollendet. 

 

Ein Sandsteinband mit vier Löwenköpfen gliedert die geteilte Bronze-Skulptur. Das Brunnenwasser ergießt sich aus den Löwenköpfen in ein Becken.

Den oberen Abschluss bildet ein Sandkopfkapitell, auf dem die Figur des heiligen Pankratius steht, des Patrons der katholischen Kirche. Die Bronze-Darstellungen beziehen sich auf die Ortsgeschichte.

 

In der unteren Hälfte sieht man angedeutete Details ortsbildprägender Bauten: Die Häuser Borg und Bisping, die Höfe Pröbsting und Westerhaus (heute Dabbelt), sowie Giebel von Bauten am Kirchplatz. Darüber sind Figuren des ehemaligen Dorflebens dargestellt: Arzt (mit Äskulapstab), Polizist (mit Adler, Zeichen der Staatsgewalt), Lehrer (mit Eule, Symbol der Weisheit), Pastor (mit Pankratiuskirche).

 

Im oberen Teil sieht man Personen der jüngeren Geschichte: Kardinal von Galen, dessen Vorfahren Haus Bisping bewohnten, sowie die Bürgermeister des Zeitraums von 1945 bis 1974:

  • Johannes Brockmann mit Gefängnisgitter und NRW-Wappen, hinweisend auf seine Haftzeit 1944 in der NS-Zeit und seine spätere Aufbauarbeit

  • Hubert Lütke-Harmann mit dem Pflug als Zeichen seines Berufsstandes

  • Anton Deventer mit Kindern, weil während seiner Amtszeit der Kindergarten eingerichtet wurde

 

Dargestellt ist auch Schwester Stella mit dem Pelikan, die sich aufopferungsvoll für die Kranken und Sterbenden einsetzte.

 Pankratiusstehle 

Pankratiusstehle in Rinkerode

Der Brunnen ist ein Gemeinschaftswerk des Bildhauers Ernst Schlüter (1931 bis 1998), der Steinmetzfirma Werner Schlüter und der Arbeitsgemeinschaft der Rinkeroder Vereine. Er wurde am 15. Oktober 1993 den Rinkeroder Bürgerinnen und Bürgern übergeben. 

 

Pankratiusbrunnen auf dem Pankratiusplatz 

Pankratiusbrunnen auf dem Pankratiusplatz

 Bildhauer Ernst Schlüter mit dem steinernen Gusskörper der Stele 

Bildhauer Ernst Schlüter mit dem steinernen Gusskörper der Stele

Historischer Ortsrundgang: 15 Höfe Milte, Gudehege, Pankok

 Münsterländische Bauernhöfe sind Einzelhöfe, manche liegen aber als kleine Gruppen zusammen. Die südliche Gruppe der Bauerschaft Eickenbeck im Kirchspiel Rinkerode bilden die Höfe Milte-Allendorf, Gudehege (heute Lackenberg) und Pankok.

 

In der agrarischen Wirtschaftsverfassung des Mittelalters waren die meisten Bauernhöfe nicht Eigentum der Nutzer, sondern der Grundherren, die sie zur Nutzung vergaben.

 

Der größte der drei genannten Höfe war Gudehege, der den Domvikaren in Münster gehörte. Die jährliche Steuerleistung, die die Größe des Hofes anzeigt, lag für Gudehege bei 5 1/2 Reichstalern, für Milte bei 3 1/2 Reichstalern und für Pankok bei 2 Reichstalern. Auch Pankok war kein kleiner Kotten, die nur einen halben Reichstaler zahlen mussten. 

 

Pankok befand sich im Eigentum des Domkapitels in Münster. Der Grundherr von Milte war seit 1598 die Leprosenstiftung in Münster-Kinderhaus, für die der Hoferwerb eine Geldanlage war. Im Stadtarchiv Münster ist in den Kinderhauser Akten ein dramatisches Ereignis überliefert. Als kaiserliche Soldaten im dreißig-jährigen Krieg auf dem Hof Milte Bauern mitnehmen und zum Kriegsdienst zwingen wollten, tötete Milte den ersten, der ihn ergreifen wollte, so dass die Soldaten ihn sofort erschossen. Der kaiserliche Befehlshaber forderte von der Witwe den beträchtlichen Schadenersatz von 30 Reichstalern für den getöteten Landsknecht. Die Witwe musste sich verschulden, um diesen Betrag aufzubringen. 

Früheres Hofeingangskreuz am Hof Milte-Allendorf um 1940

Früheres Hofeingangskreuz

am Hof Milte-Allendorf um 1940

 

Wenige Nachrichten über Gudehege finden sich im Archiv Freiherr von Landsberg in Drensteinfurt. Nach Ende des dreißig-jährigen Krieges mussten sich Bernd und Johann Gudehege, Vater und Sohn, 1664 mit 60 Reichstalern bei Johann von der Recke zu Drensteinfurt verschulden. Eine solche Kapitalaufnahme war vielfach erforderlich, weil die Höfe durch die Militärsteuern im und nach dem dreißig-jährigen Krieg finanziell ruiniert waren. Da Gudehege nicht in der Lage war, die Zinsen in Geld zu bezahlen, gestatteten die Schuldner ihrem Gläubiger, Weichholz in der sogenannten Langen Hiege zu schlagen sowie dort Eicheln für die Schweinemast zu verbrauchen. 

 

Die drei Höfe liegen von Rinkerode aus gesehen in der folgenden Reihenfolge:

  • Pankok

  • Milte

  • Gudehege

Heute heißen sie Pankok, Allendorf und Lackenberg. 

Historische Karte von 1910, Quelle: Landesvermessungsamt NRW Historische Karte von 1910, Quelle: Landesvermessungsamt NRW

 

Historischer Ortsrundgang: 16 Landwehren und Grenzsteine

Reste der ehemaligen Landwehren stehen heute vielfach als Bodendenkmale unter besonderem Schutz. 

 

Im Rinkeroder Osten sind Landwehrabschnitte noch hinter Haus Welpendorf zu sehen, im Westen bei Wiewer, im Süden bei Große-Rövekamp und in der Davert. Mit Schlagbäumen zu sperrende Durchlässe gab es bei Ashegebaum, Dartmannsbaum, Lohmannsbaum und Schönefeldsbaum. Die Hofstellenbesitzer an den Schlagbäumen der Hauptstraßen hatten den Wegezoll einzunehmen und betrieben manchmal eine Gastwirtschaft.

 

Der Landwehrbau wurde von den Landesherren und Städten betrieben und von Bauern ausgeführt. In der Bildung von Landesherrschaften war er oft eine Begleiterscheinung der gewaltsamen Auseinandersetzungen (Fehden), die teilweise durch sozialen Wandel, Bevölkerungsvermehrung und Wirtschaftskrisen verstärkt wurden. 

 

Historische Karte 1897, Quelle: Landesvermessungsamt NRW

Historische Karte 1897, Quelle: Landesvermessungsamt NRW

Landwehr in der Nähe  Große-Rövekamp

Landwehr in der Nähe Große-Rövekamp

    

 


Grenzsteine dienen bis in die Gegenwart der Kennzeichnung von Grenzen. Der Heimatverein Rinkerode e.V. hat 1998 bis 2007 rund um Rinkerode 17 Grenzsteine neu gesetzt. Es wurden Formsteine nach einem neuen Entwurf gegossen.

 

Bis um 1800 führte die Dorfbevölkerung im ländlichen Raum regelmäßige Grenzgänge, sogenannte Schnadgänge durch, um die Grenzen der Gemeindeflur allen im Bewusstsein zu halten. Die den Grenzverlauf kennzeichnenden Schnadsteine oder Schnadbäume erhielten bei jedem Schnadgang eine neue Marke. Die zur Teilnahme verpflichteten "Feldherren" waren die jeweils jüngsten Mitglieder der Ortsgemeinde. Sie wurden von einem "Oberfeldherrn" und anderen Kundigen geführt.

 

Anders als bei den eigentlichen Schnadgängen beteiligte sich bei den selteneren Generalumgängen die gesamte Dorfbevölkerung. Nach Abschluss der preußischen Landesvermessung um 1835 mit Anlage von Flurkarten und Grundbüchern wurden die Schnadgänge zu rein geselligen Veranstaltungen. 

 Karte der Grenzsteine 

Karte der Grenzsteine

 Grenzstein des Heimatvereins 

Grenzstein des Heimatvereins

Historischer Ortsrundgang: 17 Mühlenmuseum

Wer vor 300 Jahren von Münster nach Drensteinfurt und Hamm reiste, der ging, ritt oder fuhr auf der alten Verbindung über Wolbeck und Albersloh. Eine Fernstraße von Münster durch die Davert nach Hamm oder Werne und von dort weiter nach Köln entstand im 18. Jahrhundert. 

 

 An dieser neuen Chaussee ließ Graf von Galen 1810 eine neue Windmühle bauen, für die die gute Erreichbarkeit sehr nützlich war. Ihr genauer Standort war bewusst gewählt. Er liegt auf dem höchsten Punkt einer zwar flachen, aber dennoch merklichen Bodenerhebung. Weitere daten zur ehemaligen Windmühle und späteren Dampfmühle befinden sich an der Mühlentür. Noch nach dem zweiten Weltkrieg war der "Galensche Damm" erkennbar, ein Grasweg, der Haus Göttendorf und die Mühle verband.

 

Als 1978 das Ehepaar Merten das Anwesen von der Müllerfamilie Wünnemann übernahm, war es in einem recht ruinösen Zustand. Mit viel Eigenleistung haben Käte und Horst Merten das ehemalige Dampfkesselhaus zu Wohnzwecken umgebaut. Dazu musste die komplett vorhandene,aber marode Mahltechnik von 1935 wieder flott" gemacht werden. 

 

Steinmahlgang

Steinmahlgang

Heute stehen das Mühlengebäude und auch die Technik unter Denkmalschutz und gehören zur Industriekultur Nordrhein-Westfalens. 

 

Ein Elektromotor treibt die Dampfmaschine an, die auf fünf Ebenen die gesamte Vermahlungsanlage in Gang setzt. Die Maschinen drehen sich im Zeitlupentempo, so dass alle Vorgänge genau zu beobachten sind. 

MuehlenmuseumMuehlenmuseum

 

Bei den Führungen werden sowohl die Reinigungs- und Siebverfahren als auch die Vermahlung demonstriert. Handmahltechniken können selbst ausprobiert und weitere Geräte der Getreideverarbeitung können bedient werden. Auf Tafeln und in Vitrinen werden Einzelthemen dargestellt. Ergebnisse der Archivarbeit liegen zur Einsicht und zum Erwerb bereit. Die Aktionen erfolgen im Rahmen des "gemeinnützigen Mühlenmuseumsverein Rinkerode e.V."

 

Hinweise für Besucherinnen und Besucher:

  • Das Gelände der Mühle und des Mühlenmuseums ist Privatgelände. Besucher sind herzlich willkommen, wenn sie sich für das Museum interessieren.

  • Die Besichtigung des Mühlen- und Gerätemuseums ist nur nach Vereinbarung (Telefon 02538 756) möglich.

  • Weitere Informationen erhalten Sie unter: Homepage Mühlenmuseum

Muehle

Historischer Ortsrundgang: 18 Davertbahn

Die 900-mm-Schmalspurbahn Rinkerode - Ascheberg entstand 1915 und wurde 1925 wieder abgebaut. Sie wurde von der Baufirma Philipp Holzmann als Materialbahn für die neue Bahnstrecke Münster - Lünen gebaut und gehört zu den Kuriositäten der Bahngeschichte. Höchstens 20 km/h durfte gefahren werden. Zehn zweiachsige Lokomotiven waren im Einsatz, die die Material- und Baggerzüge auf der 12 km langen Strecke bewegten. 

 

 Am 22. Januar 1917 beantragte die Gemeinde Ascheberg beim Regierungspräsidenten eine Freigabe der Strecke für den Personenverkehr. Vom 1. Mai 1917 an fuhren planmäßig drei Personenzugpaare täglich mit einem oder zwei Wagen mit 24 Sitzplätzen. Die Fahrtzeit bei Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h betrug eine Stunde. Am 9. April 1918 kam man mit der Oberpostdirektion überein, auch die Post zu befördern.

 

Die Strecke verlies den Bahnhof Rinkerode in einem 90-Grad-Bogen, schlug die südwestliche Richtung ein und verlief zunächst einen Kilometer auf eigenem Bahngrund. An der Mühle Münsterstraße befand sich eine Schranke. Für weitere drei Kilometer folgte das Gleis den Gemeindewegen. 

Davertbahn um 1918

Davertbahn um 1918

 

Davertbahn um 1918

Davertbahn um 1918

Beim Hof Stehmann-Bohnenkamp wurde nach 1,8 km die erste Station erreicht. Nach vier Kilometern rollten die Züge nochmals auf eigenem Bahnkörper. An dessen Ende, nach 5,4 km, befand sich die Haltestelle "Hohe Heide", wo sich die Züge kreuzen konnten.

 

Kurz dahinter, an der Kreuzung mit dem Weg Ascheberg - Amelsbüren, dürfte die Haltestelle "Davert" gelegen haben. Dorthin und weiter verlief das Gleis abermals auf Gemeindewegen bis zum Emmerbach. Hier begann mit einem Schwenk nach Süden die Rampe zum Damm der Neubaustrecke. Bereits oben auf der Trasse wurde bei Kilometer 8,0 die Haltestelle "Davensberg" mit Unterstand erreicht. Es folgten vier Kilometer Dammstrecke bis zum Bahnhof Ascheberg, wo die Firma Philipp Holzmann ihre Werkstatt mit Lokschuppen und Wagenhalle unterhielt. Diese Gebäude wurden später Teil der Brotfabrik Ascheberg.

 

Am 6. Februar 1919 ereignete sich ein Raubüberfall in der Bahn. Postschaffner Heinrich Röckener erlag einige Monate später seinen schweren Schussverletzungen. 

Historischer Ortsrundgang: 19 Haus Bisping

Bisping oder Bischoping war ursprünglich als Bauernhof ein bischöfliches "Tafelgut", es musste die Tafel (den Haushalt) des Bischofs versorgen. Haus Bisping, urkundlich ab 1364 erwähnt, hatte wechselnde Besitzer und kam um 1537 an die Familie von Galen.

 

Christoph Bernhard von Galen (1606 bis 1678), seit 1650 Fürstbischof von Münster, war hier geboren worden. Die Familie war protestantisch, hatte den Sohn aber als Jesuitenschüler in Münster katholisch erziehen lassen. Anschließend erwarb er an verschiedenen Universitäten eine standesgemäße Bildung. 

 

Eher ungewöhnlich war, dass ein Sohn des münsterländischen Adels zum Reichsfürsten aufstieg. Üblicherweise hatte das Domkapitel meist Grafensöhne zu Fürstbischöfen gewählt. Im beginnenden absolutistischen Zeitalter hat Christoph Bernhard bis zu seinem Tod 1678 von Münster aus große Politik gemacht. Weit über das Münsterland hinaus war er als Verfechter der katholischen Reformation (Gegenreformation) bekannt. Er hat Schulen, Frömmigkeit und Wallfahrtswesen gefördert. Seine politischen Ziele hat er gewaltsam durchzusetzen versucht. Deswegen wird er bis heute "Kanonenbischof" und "Bombenbernd" genannt.

Haus Bisping

Haus Bisping

 

Haus Bisping um 1800

Haus Bisping um 1800

Nachdem die Familie von Galen Haus Bisping als Wohnsitz aufgegeben hatte, verlor es an Bedeutung. Die meisten Gebäude wurden später abgebrochen. Es blieben lediglich das Torhaus und eine Remise. Die nebenstehende Darstellung von Jodokus Hermann Nünning um 1700 vermittelt einen Eindruck von der damaligen Anlage. Sie zeigt auch das Torhaus, das Heinrich von Galen, Christoph Bernhards jüngerer Bruder, 1651 erbauen ließ.

 

Die noch erhaltenen Teile der Gräfte wurden inzwischen zur geschlossenen Gräfte ergänzt. Typisch für das Münsterland sind die roten Ziegelsteine der Fachwerkausmauerung des Obergeschosses, die mit den hellen Sandsteinrahmungen der Fenster kontrastieren. Ein Erker im Obergeschoss befindet sich über der ehemaligen Tordurchfahrt, die zugemauert und mit einem Fenster versehen worden ist. Der Erker wurde mit zwei Wappen verziert. Das eine ist denen von Droste, das andere denen von Galen zuzuordnen.

 

Hinweise für Besucherinnen und Besucher:

  • Die Anlage befindet sich im Privatbesitz. Die Besichtigung ist nur von außen möglich.

  • Weitere Informationen erhalten Sie unter: Adelssitze in Westfalen-Lippe

 

Historischer Ortsrundgang: 20 Haus Borg

Ein "Haus" war in früheren Jahrhunderten der durch Gräben ("Gräften") gesicherte Sitz eines Rittergeschlechts. Der Name "Borg" (Burg) deutet auf den Schutz hin, den die Bevölkerung in Kriegs- und Fehdezeiten hier finden konnte. 

 

Neben Haus Borg waren der nahe Bispinghof (später "Haus Bisping") sowie der Pröbstinghof bei der heutigen Kirche St. Pankratius die Zentren der Besiedelung im Raum Rinkerode. 

 

Als erster bekannter Inhaber der vermutlich im 12. Jahrhundert angelegten "Borg" erscheint Gerwin von Rinkerode. Dieser Gefolgsmann des Grafen von der Mark und seine Nachfolger behinderten die Fürstbischöfe von Münster in der Ausdehnung ihrer Macht nach Süden. Sie besaßen die "Häuser" Borg, Drensteinfurt und Heessen. 

Zeichnung von Haus Borg um 1800 

Zeichnung von Haus Borg um 1800

Haus Borg in Rinkerode 2

1466 kam Haus Borg in den Besitz der Familie Kerckerinck aus Münster. Sie gehörte der dortigen bürgerlichen Oberschicht der so genannten "Erbmänner" an. Deren Anerkennung als Mitglieder des Adels wurde seit 1564 betrieben und nach langen Prozessen 1709 abschließend bestätigt. 

 

1978 erfolgte ein Eigentümerwechsel, 1982 bis 1988 eine grundlegende Sanierung.  Zu der Drei-Insel-Anlage gehören die Vorburg, die dahinter liegende Hauptburg sowie die nördlich anschließende Garteninsel. Aus mittelalterlicher Zeit (15. Jahrhundert) sind auf der Hauptburg das Alte Herrenhaus sowie das Brau- und Waschhaus (15. bis 16. Jahrhundert) erhalten. Zeitlich folgen auf der Vorburg der Turm der Nordost-Ecke von 1618 sowie das Torhaus von 1664. Ab dem 17. Jahrhundert entstanden die dortigen Wirtschaftsgebäude, die zuletzt 1922 umgebaut wurden. 

 

Als repräsentatives Wohnhaus der Barockzeit schuf Gottfried Laurenz Pictorius 1719 das neue Herrenhaus der Hauptburg. Im 18. Jahrhundert entstand zudem die dortige Remise. Unter Jobst Stephan von Kerckerinck (1679 bis 1735) erhielt auch die Garteninsel ihre neuzeitliche Gestaltung.

 

Erhebliche Verstörungen wurden im zweiten Weltkrieg durch einen Brandbombenabwurf (1942) verursacht.

Hinweise für Besucherinnen und Besucher:

  • Die Anlage befindet sich im Privatbesitz. Die Besichtigung ist nur von außen möglich.

  • Weitere Informationen erhalten Sie unter: Adelssitze in Westfalen-Lippe

Haus Borg in Rinkerode 1 

Haus Borg in Rinkerode

Historischer Ortsrundgang: 21 Haus Heidhorn

 Vor Haus Heidhorn, einem ehemaligen Schulzenhof der Amelsbürener Bauerschaft Sudhoff, überquert die Nordgrenze von Rinkerode die B 54. Heute gehört Haus Heidhorn zu Münster. Sein Grundstück erstreckt sich auch auf Drensteinfurter Gebiet.

 

Das mittelalterlich anmutende Torhaus mit Schlussstein von 1703 wurde von dem Ehepaar Joseph Hötte jun. und Emilie Hötte geb. Primavesi mit neugotischen Stilelementen erbaut (1904). Der Gutsherr war Pelzhändler in Münster. Er besaß ein repräsentatives Haus am Domplatz, Ecke Michaelisplatz, aber schätzte Gut Heidhorn zwischen Davert und Hoher Ward als ruhigen Sommersitz. Auf dem Hof, den er mit den erforderlichen Gebäuden ausstattete, betrieb er Landwirtschaft. Von Höttes Anwesen sind in Teilen die spätmittelalterliche Gräfte, ein Speicher von 1667, Scheune, Remise und zwei barocke Torpfeiler auf der Ostseite der B 54 erhalten. 

 

Joseph Hötte hatte Haus Heidhorn von Joseph Hötte sen. geerbt, seinem Onkel, der es 1844 erworben hatte. 1905 überließ der Eigentümer sein Gut Heidhorn den Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, die hier ein Erholungsheim für ihre Mitschwestern einrichteten. 

 

Das heutige Wohn- und Pflegeheim wird von der Alexianer GmbH betrieben. Auf dem Gelände befinden sich auch eine NABU-Naturschutzstation sowie eine Geschäftsstelle des NABU Münsterland e.V.

Zeichnung um 1800

Zeichnung um 1800

 

Haus Heidhorn

Haus Heidhorn

Emilie Hötte verstarb 1911, ihr Ehemann Joseph 1919. Beide wurden in der hinter dem Torhaus gelegenen Kapelle bestattet.

 

Diese wurde, da sie den Anforderungen einer auf die Seniorinnen des Hauses ausgerichteten Seelsorge nicht mehr genügte, 1964 abgebrochen und durch die heutige ersetzt. Joseph und Emilie Hötte wurden in die neue Kapelle umgebettet.

 

Die Eheleute Hötte waren durch ihre Spenden und Stiftungen in Münster bekannt. Auch die Mariensäule nahe der Ludgerikirche in Münster hatte Joseph Hötte gestiftet. Zur Erinnerung an ihn benannte die Stadt Münster eine der Gassen zwischen Ludgeri- und Königsstraße als Hötteweg.

 

Etwa 200 Meter südlich liegt auf der Ostseite der Straße das vor 1895 von Joseph Hötte erbaute ehemalige Forsthaus Heidhorn. Hier wirkten als Förster seit 1895 Wilhelm Himmelmann aus Lippramsdorf und von 1944 bis 1972 sein Sohn Hermann Himmelmann.